Musikverein Siglingen e.V.

 

gegründet im Jahr 1920.

 

Die Friedenskonferenz in Versailles, Kapp-Putsch in Berlin und der Rücktritt des Reichsministers Noske waren gerade mal vorbei, der Verfall der Reichsmark begann sich abzuzeichnen und in Siglingen formierte sich ein neuer Verein.

 

Das Protokollbuch des damals ruhenden Gesangvereins schildert den Verlauf der Gründungsversammlung des Musik- und Gesangvereins Siglingen wie folgt:

 

" Auf Einladung des seit jüngster Zeit hier gegründeten Musikvereins, hat sich heute im Gasthaus "Zur Linde" eine größere Anzahl junger Männer und verschiedene alte Mitglieder des früheren Gesangvereins zwecks Wiederauflebens desselben eingefunden. Einig war man sich darüber, daß wieder der Gesangverein in Wirksamkeit treten soll.

 

Der anwesende Hauptlehrer Schill hat sich auf einmütiges Ersuchen hin sofort bereit erklärt, die Dirigentenstelle des Gesangvereins zu übernehmen, worauf, nachdem der bestehende Musikverein die Erklärung abgegeben hat, sich mit dem zu gründenden Gesangverein zu vereinigen, sodann von sämtlichen Anwesenden der Musik- und Gesangverein Siglingen gegründet wurde. "

 

Einstimmig wurde die Vorstandschaft gewählt:

 

Vorstand:              Karl Ernst             Schultheiß

Vizevorstand:        Christian Kopp      Baurat

Schriftführer:         Hans Köpf             Bezirksmonteur

Kassier:                 Christian Kienle     Landwirt

 

Ausschussmitglieder:

 

Karl Emert, Gemeinderat, hier; Gottlieb Bauer, Gemeinderat, hier; Karl Palmer, Bauwerkmeister, hier; Jakob Gruber, Eisenbahnbediensteter, hier;

Wilhelm Maier, Landwirt, hier; Albert Weiß, Schneider, hier.

Bestimmt wurden ferner zum Vereinsdiener: Eugen Herbold, Landwirt, hier;

als Fahnenträger: Karl Bauer, Zimmermann, hier.

Als Fahnenjunker Hermann Geist, Landwirt, hier; Karl Herbold, Schmied, hier.

 

Der anwesende frühere Gesangvereins-Vorstand, Gemeinderat Kopp, hat sofort das noch vorhandene Vermögen des früheren Gesangvereins, bestehend aus:

 

                    1. Der Vereinsfahne

                    2. Gesangbüchern

                    3. Vereinsschnupftabakdose

 

dem Verein zur Verfügung gestellt.

 

 

 

Der Musikverein stellt seine bereits eingezogenen Eintrittsgelder etc. mit 129,35 Mark dem „Musik- und Gesangverein Siglingen“ abzüglich seiner Auslagen für Vereinsliterarien  zur Verfügung, welcher Betrag sofort dem Kassier Kienle übergeben wurde.

 

Die Vorstandschaft wird beauftragt, die für den neuen Verein aufzustellenden Satzungen vorzubereiten und der demnächst einzuberufenden Vollversammlung zur Aufnahme vorzulegen.

                              gez.    Schriftführer Köpf

                                       Vorstand Ernst     

                                       5. Dezember 1920 "

 

Die Musikkapelle bestand im Gründungsjahr aus acht Musikanten:

 

          Eugen Herbold               Bass

          Wilhelm Meier                Trommel

          Eugen Emert und

          Wilhelm Binhammer      Hörner                 

          Emil Emert,

          Albert Weiß und 

          Heinrich Binhammer     Flügelhorn

          Albert Gramlich             Klarinette

 

Schon am 11. Dezember 1920 wurden in der "Rose", innerhalb einer Sondersitzung der fast vollzähligen Vorstandschaft, die Vereinssatzung beraten und verabschiedet. Das Werk umfasste insgesamt 17 Paragraphen.

Der Eintritt in den Verein wurde mit einer einmaligen Gebühr von 5,- Mark festgelegt. Eine versäumte Singstunde wurde mit einer Geldstrafe belegt. Der Monatsbeitrag kostete 1,- Mark für die aktiven, 2,- Mark für die passiven Mitglieder und hat sich bis heute auf den sagenhaften Betrag von 1,50 Mark im Monat erhöht, wobei die Aktiven vom Beitrag befreit sind. Dieser Monatsbeitrag hat sich in den folgenden Jahren durch den Verfall der Mark öfters hin und her bewegt. Bereits 1922 wurde er auf  für die Aktiven  auf 5,- Mark, für die passiven Mitglieder auf 6.- Mark erhöht und um eine persönliche Spende von Mark 20.- je Mitglied gebeten.

 

1922 bestand der junge Verein bereits aus den Sparten Männerchor,  gemischter Chor, Streichmusik und Blasmusik und umfasste 51 aktive und 30 passive Mitglieder.

 

Das Vereinsbuch wurde jahrzehntelang von einem Mitglied der Sparte Gesang geführt, was sich dahingehend auswirkte, dass die Berichte sich im Wesentlichen auch auf  diese Sparte beschränkten.

 

Mit "spitzer" Feder wurden die Arbeit, die Sorgen und Nöte, aber auch die Sonnenseiten des Vereins festgehalten. Die sparsamen Hinweise auf die Abteilung Musik stellen deshalb sozusagen die  Sahnehäubchen im dokumentierten Vereinsgeschehen dar.

 

Die Vereinsarbeit in den 20iger Jahren war sehr rege. Nahezu jeden Monat wurde ein Unterhaltungsabend in einem der fünf Gasthäuser geboten. Allerdings wurde dies nach einem Jahr auf Bitten des Dirigenten geändert. Wohl auch deshalb weil es mit den Probenbesuchen schon manchmal arg zu wünschen übrig ließ.

 

Bereits 1921 wurde die erste Weihnachtsfeier im Saal der "Rose" abgehalten.

Die Blaskapelle eröffnete den Abend, der Männerchor und die  Streichmusik wechselten sich  mit Theaterstücken und Couplets ab. Den Schluss gestaltete wieder die Blaskapelle mit Musik und Tanzunterhaltung, die unter der Leitung des Musikdirigenten Karl Seelos aus Neudenau stattfand, der dafür mit 25.- Mark entlohnt wurde.

 

Überhaupt bestand mit Neudenau eine gute Verbindung. So kam auch der nächste Dirigent der Kapelle aus der Stadt, es war Kornel Boos. Ein Name,

der Jahrzehnte später wieder im Verein auftauchen soll.

 

In Ermangelung von Unterhaltungsangeboten war man zu jener Zeit gezwungen selbst  für Auf- und Anregendes zu sorgen. Mehrere Feste und Gesangsabende  trugen zur Freizeitgestaltung in geselliger Runde bei.

Allein vier Unterhaltungsabende und ein Vereinsausflug fanden 1921 statt.

 

So auch jener Abend, der den Flügelhornisten Heinrich Binhammer zu folgenden Versen beflügelt hat.

 

"Zum Bierabend in der Traube", 27.7. 1929, von Heinrich Binhammer:

 

Wie oft schon!

Wie oft schon haben wir hier geseßen,

bis sehr spät in die Nacht hinein,

haben unsere Sorgen vergeßen,

die ja gewiss nicht sind klein.

 

Wie oft schon haben wir schöne Stunden,

verlebt mit unserem Kornel Boos,

der uns geheilt hat alle Wunden,

wie unser alter Karl Seelos.

 

Wie oft schon haben wir Durst gelitten,

hier in diesem kleinen Eck,

haben uns miteinander gestritten,

und hatte immer keinen Zweck.

 

Wie oft schon haben wir hier beraten,

wegen einem kleinen Gartenfest,

und jetzt ist es uns ja gut geraten,

es war ein schönes Musikfest.

 

Wie oft schon haben wir hier gejammert,

wegen den großen Schulden,

und jetzt haben wir sie eingeklammert,

wir haben sie überwunden.

Wie oft schon habe ich gewählt,

wie könnt Ihr froh sein wie die Kinder,

drum wünsch ich dass euchs gut gefällt,

sauft wie die Bürstenbinder.

 

Die Siglinger Musikanten waren gerngesehene Gäste in der badischen Nachbargemeinde, nach denen auch schon mal ausgeschaut wurde.

Wie unser langjähriger Vorstand und Ehrenvorstand Albert Weiß einmal erzählte, soll bei einer Veranstaltung in Neudenau der erlösende Ausruf eines Veranstalters gefallen sein: „Jetz isses gewunne, die Sillinger kumme".

 

So wurde der Verein auch zum 50-jährigen Stiftungsfest des Kriegervereins Neudenau eingeladen, das er zusammen mit dem Kriegerverein Siglingen - Kreßbach - Reichertshausen besuchte. Der Schriftführer notierte:

„Beim Aufstellen des Festzuges ist unter das die Vereine begleitende schöne Geschlecht die mitgebrachte Feststimmung um 80% verschwunden.

Denn auf einmal erscholl ein militärisches Kommando: "Sämtliche Damen heraus"  und allgemein entstand ein großes Gemurmel“. Es war eben ein Kriegerfest, denn es ging ziemlich kriegerisch her, zumal während des Festzuges beim Salutschießen zwei Familienväter verwundet wurden, aber trotz alledem wurden auf dem Festplatz markige und donnernde Ansprachen gehalten. Letztere nicht nach Frieden schmeckten und wenn man ehrlich sein will, ist eben ein Sängerfest bei weitem fröhlicher wie so ein Kriegerfest und nach meiner Ansicht wäre es angebrachter anstatt Kriegerfeste sollte man Friedensfeste feiern."

 

"Erwähnen will ich noch, dass unsere, die beiden Vereine begleitende Blechmusik ziemlich viel und meist zu unserem eigenen Vorteil zu spielen hatte und sei ihr an dieser Stelle besonderer Dank gesagt." Die enge Verbindung zwischen Gesang und Musik zeigte sich immer wieder, besonders bei Veranstaltungen und Wertungssingen. Dabei wurde die Abteilung Gesang mit Musik zum Bahnhof geleitet oder empfangen. Des Weiteren waren verschiedene Musiker bei den Sängern, was umgekehrt nicht möglich war. Wenn es um die Kameradschaftspflege und die Geselligkeit ging, waren sich die beiden Abteilungen auch stets einig. So wurde auf Wunsch der Musikabteilung und einiger Sänger zum ersten Mal ein Musikfest besucht. Es ging nach Stein zum Musikfest mit Schellenbaum-Einweihung - wenn auch mit einem gewissen Unbehagen. "Es war das Wetter nicht besonders günstig, was hauptsächlich dazu beigetragen hat, dass das Nachhausegehen nicht recht funktioniert hatte und dies beim Dirigenten einen gewissen Missmut hinterlassen hat, was ihm ja auch nicht zu verdenken war und wird sich der Verein das nächste Mal überlegen, ob er ein zweites Mal wieder zu einer Schellenbaum-Einweihung nach Stein geht." Er ist gegangen, 25 Jahre später und es ist vermerkt, dass es besonders den Musikern sehr gut gefallen hat.

 

Die zweite Generalversammlung musste eine Korrektur der Mitgliedsbeiträge vornehmen. Die monatlichen Mitgliedsbeiträge wurden auf 50,- Mark für Aktive und 60,- Mark für Passive festgelegt. Der Einstand kostete 100,- Mark der Ausstand 500,- Mark. Vielleicht war es dieser Umstand, dass die harmonische Versammlung zum Schluss doch noch von ein paar "Krakölern" (Nichtmitgliedern) gestört wurde.

 

Trotz der wirtschaftlich schlechten Zeit konnte der  Vorstand, Schultheiß Ernst, die Mitglieder immer wieder in fröhliche Stimmung versetzen, wie dies öfter vermerkt ist, selbst dann, wenn der Kassier sagen musste, dass es Null auf Null aufging und in der Vereinskasse "ein paar lumpige Millionenscheine" seien. Das Geld verhinderte damals manche Festteilnahme. Der gesamte Verein wollte das Sängerfest in Esslingen besuchen, was dann vom Ausschuss abgelehnt wurde - "wegen übermäßiger Forderungen von Eintrittsgeldern". Trotzdem, man verstand zu feschteln. Die Weihnachtsfeiern erfreuten sich allgemeiner Beliebtheit und brachten mit Theaterspiel und Streichmusik, Gemischtem-Chor, Männer-Chor und Blasmusik zum Tanz etwas Abwechslung ins dörfliche Leben.

 

Bereits am 2. Januar 1921 konnte das Programm der Weihnachtsfeier mit dem Marsch „Gruß aus Säckingen“ eröffnet werden. Damit auch die Theaterspieler und Kulissenschieber im Verein integriert waren, wurde dann den Musikern angeboten gemeinsam zu feiern. Entweder ein 50 Ltr. Fass Bier oder ein Essen zu wählen. Was haben die wohl gewählt? Das Essen! Ist doch klar, zum Essen gehört sowieso ein Bier.

 

Da die beiden Abteilungen sehr eng verzahnt waren und Musikanten auch bei den Sängern mitwirkten, wie zum Beispiel der Flügerhornist Albert Weiß, der im Notfall auch schon mal die Sänger dirigierte, sei hier auch eine Gesangsveranstaltung erwähnt. Zum ersten Mal trat der Verein am 24. Mai 1925 beim Preissingen in Kirchhausen im höheren Volksgesang an und ersang sich gleich einen 2. Ehrenpreis mit Pokal. Das musste natürlich auch gebührend gefeiert werden, "denn eine Sängerkehle darf nie trocken werden" und so traf man sich in der "Sonne", wo auch der „Hohe Rat“ von Siglingen bereits versammelt war. Max Scheuber ließ den Pokal als erster füllen,  Ehrenvorstand Schultheiß Ernst ließ 5 weitere Füllungen folgen „so im ganzen schon 25 mal, genau kann ichs nicht mehr feststellen."

 

Wie sagt der Dichter: "O Ihr Herre, i ko nemme schüttets über me na"

 

Im Jahre 1929 fand auch das erste Musikfest in Siglingen statt. Es war schon etwas Besonderes und hatte doch die gleichen Sorgen wie sie auch heute noch die Verantwortlichen umtreibt. Das Wetter und wie sieht es mit der Unterstützung aus? Wie stellt sich der Verein optisch und akustisch dar?

 

Zu diesem Musikfest hat unser damaliger Bassist Heinrich Binhammer auch ein paar Zeilen geschriebe, die hier Erwähnung finden sollen.

 

Zum Musikfest in Siglingen - am  21. 7.1929

 

Hier in unserem kleinen Nest,

ist ein kleines Musikfest,

das geleitet wird von Schneider Weiß,

der immer denkt, wenn`s nur bleibt heiß.

 

Und auch seine anderen Kollegen,

wollen haben keinen Regen,

denn sie wollen hören und fühlen,

wie die anderen Musiker spielen.

Die Musik selbst, die hat kein Geld,

das sieht man weils an Schmuck sehr fehlt,

denn die Gemeinde unterstützt uns nicht,

Warum? Das weiß ich selber nicht.

 

Und nun wollen wir Kollegen,

unsere schöne Musik pflegen.

lassen Trompeten schmettern und Bässe brummen,

dass uns morgen noch die Ohren summen.

 

Jetzt wünsch ich, dass Euchs gut gefällt,

hier in unserem kleinen Zelt,

und nun liebe Kameraden,

trinkt, - wie wir Dachtraufschwaben.

 

 

Ab dem Gartenfest 1932 trat die Musikkapelle etwas mehr in den Vordergrund. Die Stadtmusik Murrhardt hatte sich angesagt. Kapellmeister Neher besuchte mit seinem Orchester seinen Heimatort Siglingen. Zur Begrüßung spielten sie einige Musikstücke auf dem Marktplatz, wo dann am Sonntag von 11 Uhr bis 12 Uhr ein Platzkonzert stattfand. Am Sonntagnachmittag waren neben den Gesangvereinen auch die Musikvereine aus Neudenau und Möckmühl nach Siglingen gekommen.

 

Am 21. März 1933 beginnen auch in Siglingen die 1000 Jahre des 3. Reiches

Da auch sie Teil unserer Geschichte sind, sollen sie auch hier Erwähnung finden. Sänger und Musiker hatten in den nächsten Jahren zahlreiche Auftritte zu bewerkstelligen. Viele nationale Veranstaltungen gilt es zu gestalten:

Der Tag der nationalen Arbeit, des deutschen Handwerks, Soldatentag, Heldengedenktag  -  und der Vorstand wird zum Vereinsführer.

 

Zwischen Juli 1939 und dem 1.September1939 notiert der Schriftführer einen kurzen Bericht unter der Überschrift:

 

"Ein zweiter Weltkrieg in Sicht"

 

"Dunkle Wetterwolken zogen sich in letzter Zeit am politischen Himmel in Ost und West zusammen. Die Polen wurden jeden Tag frecher und gemeiner gegen Deutschland und die in Polen lebenden Volksdeutschen wurden von ihnen gequält und verschlagen. Und hinter all diesem Unheil steht der alte Widersacher und Weltfeind England und schürt das Feuer. Endlich, am 1. September ist unserem Führer Adolf Hitler die Geduld ausgegangen und er hat zum Schwert gegriffen und den Befehl zum Angriff gegeben. Auch aus unseren Reihen mussten gleich einige unserer lieben Kameraden zu den Fahnen eilen, um unser bedrohtes Vaterland zu schützen und so schrumpfte unser an sich sehr kleines Häuflein ganz merklich zusammen. Bis Weihnachten 1939 standen schon 8 Kameraden im Felde. Diese sollten zu Weihnachten mit einem Liebesgaben Päckchen erfreut werden und so haben wir beschlossen, jedem  ausmarschiertem Sänger ein Päckchen mit Wurst und Rauchwaren zu schicken. Diese Arbeit wurde von Schriftführer Bauer erledigt.

Dergleichen wurde auch an Pfingsten an 9 Kameraden wieder das gleiche Päcken geschickt. Dieses Mal hat uns Herr Ehrenvorstand Bürgermeister Ernst auf bitten von Schriftführer Bauer, mit den dazu nötigen Fleischmarken unter die Arme gegriffen, sonst hätten wir keine Wurst kaufen können. Ihm sei an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank gesagt.“

 

Vorstand  Albert Weiß hatte einen komponierenden Kriegskameraden getroffen und es wurde mit diesem vereinbart, dass er das  „Siglinger Heimatlied“ vertont  -  gegen Naturalien. Wieder musste Schultheiß Ernst in die Gemeindeschatulle greifen, damit 10 Zentner Kartoffeln und etwas Tafelobst gegen eine Melodie getauscht werden konnten.

 

Am 1. Januar 1942 gibt es nur einen Zwischenbericht. "Nachdem sich nun der Krieg immer mehr ausgebreitet hat, haben auch wieder mehr Sängerkameraden den grauen Rock anziehen müssen und ihr Verein ist dadurch sehr geschwächt, daß wir nicht mehr singen können.“

 

Es folgen die Namen von 17 Vereinsmitgliedern und der Wunsch:

"Wir wünschen allen diesen, daß sie ihre Heimat gesund wieder sehen mögen."

Für 13 Aktive hat sich dieser Wunsch nicht erfüllt, sie blieben "auf dem Felde der Ehre". Ein paar leer gebliebene Seiten in der Chronik markieren für den Verein das Ende des 1000jährigen Reiches.

 

Der Anfang nach dem Ende wurde mit der ersten Generalversammlung in der "Rose" am 1. Februar 1948 gemacht. Die Vorstandschaft wird komplett neu gewählt und erhält mit Albert Weiß, dem früheren Vorsitzenden, jetzt wieder den 1.Vorsitzenden. Es wurde auch gleich eine Weihnachtsfeier mit Theaterspiel veranstaltet, bei der die Blaskapelle wieder in Erscheinung trat. Von ihrer Zahl war sie noch kleiner als bei ihrer Gründung. 7 Männer hatten sich auf den Brettern der "Rose" zum musizieren eingefunden:

 

Ernst Schremser

Ernst Hofmann

Leopold Lumplecker

Adolf Ruoff

Albert Weiß

Karl Hahnemann

Heinrich Binhammer

 

Zwei der Mitglieder waren so, in gewisser Weise, zwei Mal Gründer des Vereins.

Die Kapelle war also sehr bescheiden, die Mittel waren es auch, doch man behalf sich eben irgendwie. Die ersten Kriegsheimkehrer wurden von der Kapelle jeweils mit einem Ständchen begrüßt. Die erste Weihnachtsfeier wurde abgehalten und die Mitglieder wurden aufgefordert für diese Veranstaltung Preise zu stiften, damit die Theaterbücher bezahlt werden konnten. Die Musikkapelle begann langsam Fuß zu fassen und trat mehr und mehr in den Vordergrund, nachdem sie in den Protokollbüchern bisher eben etwas stiefmütterlich behandelt wurde.

Die Generalversammlung 1951 wurde erstmals mit einem schneidigen Marsch der Kapelle eröffnet. Nach den Berichten ergreift der junge Bürgermeister Bosch das Wort für eine kurze Ansprache und betont, dass es doch eine schöne Sache wäre, den Gesangverein und die Blasmusik in einem Verein zusammen zu schließen. Die Musikkapelle war für ihn der erste Kontakt in Siglingen gewesen, hatte man doch den jungen Mann mit Marschmusik am Bahnhof zu seinem Dienstantritt als Bürgermeister der Gemeinde Siglingen abgeholt und willkommen geheißen.

 

Einstimmig wurde beschlossen dieser Vereinigung zuzustimmen und die Verschmelzung  sofort zu vollziehen.

 

Am 27. 12.1953 konnten bereits zwölf Musiker und fünf Jugendliche unter Leitung des Musikers Leopold Lumplecker, der für zwei Jahre der Kapelle musikalisch vorstand, dem Verband gemeldet werden.

 

Ein besonderer Tag  für den Musik- und Gesangverein Siglingen war der 14. Juni 1953. Die Sänger waren beim Fest in Jagstfeld und führten den Festzug an. "Herrliche Lieder gesungen" wurde im Buch festgehalten. Die Musikkapelle, unter Leitung von Hauptlehrer Adolf Ruoff,  war zur gleichen Zeit  beim ersten Wertungsspiel in Lauffen und hatte mit ihrem Stück "Dornröschens Brautfahrt" großen Erfolg und die Note "sehr gut" erspielt.

 

Die hohe Zeit der Winterfeiern und Weihnachtskonzerte als Unterhaltung im Dorf begann. Für den Lehrer Ruoff sicher keine leichte Zeit, leitete er doch die Blaskapelle, dirigierte die Sänger, studierte die Theaterstücke ein und hatte zudem noch seine Schulkinder zu unterrichten. Bei der Winterfeier 1955 wirkte die auf nun 20 Mann angewachsene Kapelle mit drei Musikstücken mit. Der Erfolg der Kapelle beflügelte die Musiker und es war selbstverständlich, dass man beim Wertungsspiel in Neckargartach am 26. Juni 1955 in der Mittelstufe antrat. Leider war die Kapelle dabei nicht so erfolgreich und war für ihre Besetzung mit dem gewählten Stück wohl nicht so gut beraten. In der Folgezeit hielt man sich mit der Teilnahme an Wertungsspielen etwas zurück.

 

Im Juni 1956 war der Verein schließlich auf seinem Höhepunkt angekommen. Man feierte das 35jährige Bestehen mit einem dreitägigen Fest, das von der Gemeinde auch rege besucht wurde. Aufstieg und Fall liegen oft eng beieinander, so auch bei der Blaskapelle. Zur  Jahresfeier am 27. 12. 1958 notierte der Chronist unter anderem: „Die Blaskapelle hat  bei dieser Veranstaltung bewiesen, dass sie die Krise vom letzten Sommer überwunden hat. Das ist in erster Linie das Verdienst des Musikdirigenten Schremser, der keine Mühe scheut, dem Verein und damit der ganzen Gemeinde die Blaskapelle auch in Zukunft zu erhalten". Für die Musikkapelle hieß es: „Von nun an gings bergauf". Die Aktivitäten der Sparte Gesang ließen sehr stark nach und kamen 1962 ganz zum Erliegen. Umso mehr Musikfeste wurden besucht und das Repertoire ausgebaut. Die Musikkapelle war wieder im Aufwind und im Umland ein gern gehörter Klangkörper. Platzkonzerte, Winterfeiern und Theateraufführungen wurden ebenso zu ständigen Auftritten der Kapelle wie das Maiblasen und das Spiel unter dem Weihnachtsbaum.

 

Mit der Vereinsgründung des Musikverein Lampoldshausen, dessen Patenverein wir sind, begann eine lange Freundschaft die durch gemeinsames musizieren und den gleichen Dirigenten, Ernst Schremser, bis heute Bestand hat.

 

Zum Jahresbeginn 1968 ging die Ära Weiß zu Ende. Altershalber traten der 68-jährige 1. Vorsitzende Albert Weiß und sein Vize Karl Scheuber von ihren Ämtern zurück. Über 25 Jahre hatte Gründungsmitglied Weiß den Verein als 1.Vorsitzender durch Höhen und Tiefen geleitet und blieb mit seinen Musikern auch als Ehrenvorsitzender immer auf Tuchfühlung.

 

Die Generalversammlung wählte als seinen Nachfolger den Dirigenten Ernst Schremser zum 1.Vorsitzenden und Willi Thren zu seinem Vize. Die Kasse wurde von Helmut Baumgärtner für die nächsten 25 Jahre übernommen. Ein wichtiger Punkt dieser Versammlung war auch die Beschaffung einer einheitlichen Bekleidung. Man entschied sich, den Musikern eine grüne Weste mit aufgenähtem Ortswappen und einheitliche Krawatten zu spendieren.

Die Gemeinde übernahm dabei die Kosten für die Wappen, die Westen und Krawatten wurden vom Verein bezahlt. Dieses Verhältnis von Gemeindezuschüssen bei Beschaffungen ist bis heute so geblieben und ein Zeichen der Eigenverantwortung des Vereins.

Mit diesem neuen Outfit ging es dann 1971 zum klangvollen 50-jährigen Jubiläum, dessen Höhepunkt der Samstagabend mit der Trachtenkapelle Friesenhofen aus dem Allgäu war, die auch gleich ihren Bürgermeister mitbrachte. Es war dies der Auftakt zu einer guten Verbindung mit schönen Besuchen im oberschwäbischen, die noch in guter Erinnerung und bis heute lebendig geblieben sind.

 

Das Jubiläumsfest fand sozusagen seinen Abschluss mit einem Besuch des Weinfestes in Bockenheim, bei dem es recht feuchtfröhlich zuging, was den Schriftführer zu folgendem Reim beflügelte:

 

Die Musik fuhr nach Bockenheim

um zu probieren den Pfälzer Wein.

Als man vor vollen Gläsern gesessen,

wurde schnell die Heimat vergessen.

Man hat dann so richtig "Ansatz" bekommen

und im Fluge die Sympathie der Pfälzer gewonnen.

 

Die Musikkapelle Siglingen spielte in diesem 50. Jahr ihres Bestehens ohne Posaunen und Saxophone und hatte eine Stärke von 18 Mann, davon sind heute noch vier aktiv. "Mann" war damals noch wörtlich zu nehmen. Junge Damen hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine Stimme im Orchester. Das änderte sich erst drei Jahre später.

 

Änderungen ergaben sich zwei Jahre später auch in der Vorstandschaft. Der musikalische Leiter und 1.Vorsitzende Ernst Schremser trat von seinen Ämtern zurück und die Position des Schriftführers musste neu besetzt werden.

Der bisherige 2. Vorsitzende Willi Thren rückte eine Stufe auf und übernahm das Amt des 1. Vorsitzenden. Als Chronist fungierte Roland Emert und die musikalische Leitung wurde vom bisherigen Klarinettisten und Jugendausbilder Werner Baur übernommen.

Nachdem der Saal der "Rose" in Siglingen nicht mehr für die Kapelle zur Verfügung stand, fand das elfte Jahreskonzert des Musik- und Gesangverein Siglingen wieder in der Turnhalle in Züttlingen statt.

 

Schon seit längerem spielten die Züttlinger Musiker als "Häuflein klein" unter der Leitung von Willi Thren und so war das Ausweichen mit dem Jahreskonzert  nach Züttlingen eine gute Möglichkeit beide Musikkapellen für eine gemeinsame Zukunft zu gewinnen, was sich auch als richtig erwies. Ein Vereinsausflug nach Straßburg und ans deutsche Weintor nahm die Kapelle zum Anlass, einen Kranz am Grabe von Herrn Karl Scheuber niederzulegen, der den Verein in seinem Nachlass mit einer großzügigen Spende bedacht hatte.

 

Das Vereinsjahr 1975 war eines der Anstrengendsten, was auch mit neun Seiten in der Vereinschronik dokumentiert ist. Das Kocherjagsttal-Musikfest wurde ausgerichtet, ein Wertungsspiel besucht und Rundfunkaufnahmen gemacht. Dazu noch 18 weitere Termine, bis hin zum Wormser Backfischfest. Eine Gewalttour in deren Verlauf auch Dirigent Werner Baur seine Tätigkeit aufgab.

 

Bereits am 20. November konnte ein neuer Mann als Dirigent gewonnen werden: Alban Boos aus Neudenau. Ein Name der schon in der Gründerzeit des Vereins auftauchte, der Sohn des ersten Dirigenten unserer Kapelle, Kornel Boos. Seine Vorstellungen von der Blasmusik waren ganz anders, als die Kapelle das gewohnt war. Getränke und Zigarettenpause während der Probe wurden abgeschafft, das Repertoire veränderte sich und die Disziplin wurde zum A und O.

Viele, insbesondere junge Musiker, wollten diesen Weg nicht mitgehen, so dass der Verein in kurzer Zeit ca. 15 Jungmusiker verlor. Die verbliebenen Aktiven erlebten eine anstrengende Zeit, in der fast jeder noch etwas dazulernen konnte. Obwohl die Meinungen über die neue Musik geteilt war, wurde trotzdem an der konzertanten Blasmusik festgehalten und mit großen Anstrengungen wieder junge Musiker ausgebildet. Schon beim zweiten Jahreskonzert war die Skepsis der Zuhörer geschwunden und hat breite Zustimmung zu dieser Linie Platz gemacht. In der Folge wurden auch wieder Wertungsspiele besucht und gleich beim ersten Auftreten in der Unterstufe ein 1. Rang mit Auszeichnung erspielt. Auch die Jungmusiker unter Leitung von Helmut John stellten sich in einem Jugendkritikspiel mit gutem Ergebnis den Juroren. Es folgten Platzkonzerte in Siglingen, Reichertshausen und Kreßbach. In Bad Wimpfen konnten wir mit einem Kurkonzert im Jahr Fuß fassen. Sogar ein Konzertabend im Neudenauer Keltersaal wurde durchgeführt.

 

Ein Vereinsausflug als Gegenbesuch führte die Kapelle wieder ins Allgäu, nach Friesenhofen, zum 100-jährigen Vereinsjubiläum, wo zum Frühschoppen aufgespielt wurde.

 

Das Dorffest 1979 führte die Trachtenkapelle Gestratz zum ersten Mal nach Siglingen in die Kelter und die Besucher erlebten einen Abend voll Stimmung und guter Laune. Die musikalische Qualität und die Aktivitäten unserer Kapelle hatten sich sehr gesteigert, aber auch viel Kraft gekostet, so dass Dirigent Alban Boos, im Herbst 1979 seine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen wieder beendete.

 

Im April 1980 gelang es den jungen Dirigenten Klaus Kohler aus Duttenberg zu gewinnen. Die Arbeit ließ aber nicht lange auf sich warten. Rundfunkaufnahmen standen an. Ein Höhepunkt des Jahres war der Besuch bei den Musikfreunden in Gestratz. Es war ein sehr langer Samstagabend, doch gelang es trotzdem vollzählig zum Frühschoppenkonzert zu spielen. Nur das Nachhause gehen hatte sich seit der Schellenbaum-Einweihung in Stein noch nicht geändert. Es fällt eben schwer, sich von Festdamen und Maßkrügen zu trennen. Bereits zwei Jahre später war man wieder zu Besuch im Allgäu, bei den Musikern in Friesenhofen. Es wurde nicht nur musiziert sondern auch gewandert. Als größte Marschgruppe konnten wir dort sogar einen Pokal mit nach Hause nehmen. Am Sonntag hatten wir die Möglichkeit beim Festzug in Isny mit 67 Wagen und Gruppen mit zu marschieren, lediglich bei den 40 Maß Freibier mussten wir passen. Dafür waren wir nicht geeicht. Diese wurden größtenteils an die Musiker aus Gestratz abgegeben. Der 2.Vorsitzende, Gerhard Krieg, hatte den Stolz des Vereins, die Vereinsfahne während des ganzen Festzuges im Schweiße seines Angesichtes tapfer getragen, bis zum bierseligen Ende.

 

Erstmals waren wir auch mit einem Klarinettenquartett beim Kritikspiel in Bad Friedrichshall mit gutem Erfolg vertreten. Angetreten waren nach achtzehnmonatiger Ausbildung, die Geschwister Ingeborg und Sabine Anderle, Petra Bauer und Bettina Thren.

 

Die Anzahl der Kurkonzerte in Bad Wimpfen konnten in der Folgezeit ständig ausgebaut werden, so dass wir für drei Jahrzehnte die am stärksten vertretene Kapelle bei der Kurverwaltung waren und diese Veranstaltungen zu unserer Haupteinnahmequelle wurde.

 

In den Jahren 1984, 1985 und 1987 verloren wir die letzten Gründungsmitglieder Albert Weiß und Heinrich Binhammer, sowie unser Ehrenmitglied Gustav Thren.

 

Die Anzahl der Auftritte hatte sich mittlerweile auf 36 erhöht und unsere Jahreskonzerte wurden fast kompeltt durch Spenden unserer Zuhörer finanziert.

 

Eine weitere Einnahme versprach sich der Verein vom Kocher-Jagsttal-Musikfest 1988. Das Wetter war nicht ideal. Es gab auch Feste zuhauf im Ländle, doch der Samstagabend war ein nie da gewesener Stimmungsabend bis weit in den Morgen hinein. Die Trachtenkapelle Gestratz war wieder zu Gast und heizte kräftig ein. Umso ernüchternder waren die Zahlen unseres Kassiers: wir hatten trotz großen Einsatzes rote Zahlen geschrieben.

 

Mit dem Wertungsspiel 1981 traten wir zum zweiten Mal in unserer Vereinsgeschichte in der Mittelstufe an und konnten uns einen 1. Rang mit Belobigung erspielen.

14 Mal in Folge besuchten wir das Wechselbad der Gefühle, auch Wertungsspiel genannt, mit 1. Rängen mit Zusatz was für Dirigent und Musiker alle 2 Jahre Höchstleistung zur normalen Vereinsarbeit bedeutete.

Nach soviel Arbeit muss auch das Vergnügen sein. Dies hatten wir beim Besuch des Musikfestes unserer Musikfreunde in Gestratz. Nach einer kurzen Nacht erfolgte in aller Frühe ein musikalischer Weckruf und am Nachmittag ein kilometerlanger, herrlicher Festzug, bei dem wir auch eine gute Marschmusikbewertung erhielten; zu unserem Erstaunen, denn wir hatten nicht mit einer Marschbewertung gerechnet. Auch hier gestaltete sich der Abschied wie 1922 - äußerst langsam aber herzlich.

 

Ein herber Verlust traf den Verein mit dem Jahrhunderthochwasser im Dezember 1993. Unsere frühen Urkunden von den Wertungsspielen waren infolge Renovierungsarbeiten im Keller der "Linde" ausgelagert und wurden so vom Hochwasser vernichtet. Nur wenige dieser Dokumente sind uns noch erhalten geblieben.

 

So bleibt eben auch ein Verein nicht von größeren oder kleineren Missgeschicken verschont, wie an jenem ersten Weihnachtsfeiertag 1981 beim Kurkonzert in Bad Wimpfen. Schlechtes Wetter und falsche Zeiteinteilung brachten es mit sich, dass der Aufbruch etwas überhastet von statten ging und dann auf der Bühne plötzlich keine Noten vorhanden waren. Jeder war der Meinung, der andere hätte sie mitgenommen. In einer konzertierten Aktion wurden die Noten nachgebracht und wir konnten mit 20 Minuten Verspätung unser Konzert beginnen, die Zuhörer waren dennoch so begeistert, dass sie zwei Zugaben forderten. Daraufhin wurden für die Musiker Taschen angeschafft, damit jeder für seine Noten selbst verantwortlich ist.

 

Ein kleines Missgeschick widerfuhr dem Verein auch beim Festzug in Stein. Gleich bei den ersten Tönen unseres Marsches konnte man nach einem kräftigen Schlag eine große Trommel neben der marschierenden Kapelle den Berg hinunter rollen sehen. Doch es gab auch viele schöne Erfolge, wie die zahlreichen Wertungsspiele, die immer mit einem ersten Rang mit Zusatz belohnt und mit einem Marsch durchs Ort gleich der Bevölkerung mitgeteilt wurden.

 

1995 feierte der Verein sein 75-jähriges Jubiläum mit einem Festabend in der Sporthalle in Siglingen, der mit der Trachtenkapelle Gestratz und der Chorgemeinschaft Züttlingen gestaltet wurde.

 

Mit der Generalversammlung 1996 gab der langjährige 1. Vorsitzende Willi Thren sein Amt ab, um jüngeren Mandatsträgern Platz zu machen. Es fand sich allerdings noch niemand der in die Bresche springen wollte, so dass Peter Frischbier, als damaliger 2. Vorsitzender, den Verein über ein Jahr kommissarisch führen musste. Nach diesem Jahr wechselte der bisherige Chronist, Roland Emert, nach 26 Jahren in das Amt des Vorstandes und die vorstandslose Zeit wurde somit beendet.

 

Die Ära des Dirigenten Klaus Kohler ging mit dem Konzert im Jahr 2000,

nach 20 erfolgreichen Jahren, zu Ende.

 

Übergangsdirigent sollte der Kreisverbandsdirigent Heribert Leibfried sein - dieser blieb dann doch bis zum Jahre 2009 als Dirigent der Kapelle erhalten. Unter der Stabführung von Heribert Leibfried wurde wieder regelmäßig und mit Erfolg an Wertungsspielen des Kreisverbands teilgenommen. Die Bewertungen der Wertungsrichter waren immer im „sehr guten“ Bereich. Gekrönt wurden die Teilnahmen an den Wertungsspielen mit der Teilnahme in Untergruppenbach im Jahre 2006. Die Kapelle konnte nach exakter Darbietung die beste Bewertung -hervorragend- mit nach Hause nehmen. Nach den Wertungsspielen wurde das Ergebnis, wieder wie früher, mit dem traditionellen Marsch durch Siglingen bekannt gegeben. Gefeiert wurden die Bewertungen anschließend im Gasthaus „Traube“. Als Belohnung für die mit Bravour gemeisterten Ergebnisse wurde die Kapelle jedes Jahr kurz vor der Sommerpause vom Dirigenten, Heribert Leibfried, auf seine „Ranch“ in den Weinbergen um Neckarsulm eingeladen.

 

Der Musikverein veranstaltet mittlerweile seit über 10 Jahren ein Besenwochenende, welches im ehemaligen Besen „Hörtling“ in Siglingen seinen Ursprung hatte, jedoch nach dem Verkauf des Gebäudes in die Lindenhalle nach Züttlingen verlegt wurde. Die Gäste werden dort seit Jahren

von den aktiven Musikern mit traditionellen Besengerichten verköstigt.

 

Auch beim seit 1999 jährlich stattfindenden Siglinger Weihnachtsmarkt wirken die Musiker aktiv mit. Mit einem Platzkonzert am Samstag durch die Jugendkapelle und sonntags durch die Aktiven, wurden die Besucher des Weihnachtsmarktes mit weihnachtlichen Liedern unterhalten. In der durch die Musiker Helmut Baumgärtner, Julius Emert und Viktor Johann selbst gebauten Hütte verkaufen die Musiker zudem an beiden Markttagen Glühwein und verschiedene Speisen an die Besucher.

 

Im Jahre 2001 verjüngte sich die gesamte Vorstandschaft des Vereins.

 

Die Generalversammlung beschloss eine Satzungsänderung und wählte einen

dreiköpfigen Vorstand aus den Musikern Oliver Götzenberger, Steffen Johann und Sven Schumacher.

 

Oliver Götzenberger schied nach zwei Jahren wieder aus der Vorstandschaft aus und der Verein wurde bis ins Jahr 2006 von den Vorständen Steffen Johann und Sven Schumacher geführt.

 

Im Jahr 2006 ersetzte dann der 2004 als Schriftführer gewählte Daniel Weiß den ausscheidenden Vorstand Steffen Johann. Der Verein wird nun seit 4 Jahren mit der Doppelspitze Sven Schumacher und Daniel Weiß, als gleichberechtigte Vorsitzende, geführt.

 

Bei der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Siglingen vom 6.-8. Juli 2002 beteiligte sich die Musikkapelle beim großen Festumzug durchs Dorf und sorgte auch im Festzelt beim Rathaus für die musikalische Unterhaltung der Festgäste.

Dieses Fest wird den Bürgern sicherlich lange in Erinnerung bleiben, da es sicherlich eines der größten und erfolgreichsten Feierlichkeiten der letzten Jahrzehnte in Siglingen war.

 

Zur 1200-Jahr-Feier wurde das „Siglinger Heimatlied“ an den Komponisten

Rudi Seifert gegeben, der zur bekannten Melodie den “Siglinger Heimatmarsch“ komponierte. Der Marsch ist Eigentum des Musikverein Siglingen e.V. und wurde von der Kapelle bereits bei zahlreichen Auftritten, auch mit Gesang der Siglinger Sangesfreunde, wiedergegeben. Für diese Vertonung waren der Dirigent der Kapelle, Heribert Leibfried, und Willi Thren hauptsächlich verantwortlich.

 

Im Jahr 2002 schaffte der Musikverein drei Pulttücher mit den Wappen der Gemeinden Siglingen und Züttlingen an, welche bei Auftritten der Kapelle aufgestellt werden.

 

Weiterhin präsentiert sich der Musikverein Siglingen seit dem Jahr 1999 zum jährlichen Frühjahrskonzert mit einer Fest- und Werbeschrift, welche das aktuelle Vereinsleben widerspiegelt und die Bürger zum bevorstehenden Jahreskonzert einlädt.

Auch die Jugend des Musikverein Siglingen hat ihren Stellenwert im Gemeindeleben. Auf ihrer jährlichen Adventstournee, die im Jahr 2002 ins Leben gerufen wurde, spielt die 1999 gegründete Jugendkapelle in den Orten Reichertshausen, Kreßbach und Ernstein weihnachtliche Lieder. Die Bürger kommen zahlreich zu diesem Platzkonzert und lassen sich bei warmen Getränken, Gebäck und weihnachtlicher Stimmung von der Jugend musikalisch unterhalten.

Die Jugendkapelle trat seit der Gründung im Jahr 1999 unter der Leitung von Daniel Weiß auf. Dieser schied im Jahr 2009 als Dirigent der Jugendkapelle nach zehn Jahren als Dirigent aus.

 

Im Vereinsleben kommen aber auch die geselligen und kameradschaftlichen Unternehmungen nicht zu kurz. Verschiedene Ausflüge wie eine Brauereibesichtigung in Distelhausen (2002), eine Weinprobe in der WG Eberstadt (2004), ein zweitägiger Ausflug ins Erzgebirge (2006) sowie ein Ausflug nach Mannheim und Ludwigshafen wurden von den Musikern gerne angenommen.

 

Auch die seit 1995 jährlich stattfindenden Skiausfahrten, organisiert von Steffen Johann, führen die Musiker gemeinsam mit der Feuerwehr Züttlingen in die verschiedensten Skigebiete und sind mittlerweile fester Bestandteil der Unternehmungen im Verein.

 

In der Generalversammlung im Jahr 2004 wurde von den Sängern der Siglinger Sangesfreunde, einem anlässlich der 1200-Jahr Feier gegründeten Männerchor, der Antrag gestellt, als Abteilung in den Musikverein Siglingen aufgenommen zu werden. Diesem Antrag wurde nach längeren Diskussionen zugestimmt und in der darauf folgenden Generalversammlung im Jahr 2005 konnte die Satzungsänderung beschlossen werden. Seitdem sind die Siglinger Sangesfreunde fester Bestandteil im Vereinsleben und mit ihren derzeit 27 aktiven Sängern immer wieder gemeinsam mit der Musikkapelle bei öffentlichen Auftritten in Siglingen und der näheren Umgebung zu hören. Bis zum Jahr 2008 war der Sohn unseres Gründungsmitgliedes Albert Weiß -Erich Weiß- Dirigent der Siglinger Sangesfreunde. Seit 2008 liegt das Dirigat in den Händen von Daniel Weiß.

 

Zur selben Zeit wurde die Jugendarbeit im Musikverein Siglingen mit Nachdruck ausgebaut. Um den Fortbestand des Vereins auch in Zukunft zu sichern, konnte im Jahr 2001 eine Blockflötengruppe ins Leben gerufen werden, um bereits auch jüngere Kinder für unseren Verein zu gewinnen. Auch an die Jüngsten wurde seit dem Jahr 2005 gedacht – mit den beiden Gruppen der Musikwiese (1½ - 4 Jahre) und der Musikalischen Früherziehung (4 – 5 Jahre), sowie der Musikalischen Grundausbildung (5 – 6 Jahre). Im laufe der Jahre kamen immer mehr Kinder zur Blockflötengruppe hinzu, so dass mittlerweile in Siglingen und Züttlingen Blockflötenunterricht erteilt wird. Mit der Verleihung der Urkunde zur Kooperation “Schule-Verein“ wurde die Jugendarbeit im Musikverein sowohl vom Blasmusikverband Baden-Württemberg, als auch vom Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg, als eine der ersten Kooperationen in unserer Umgebung gewürdigt.

 

Bei geselligen Auftritten und Veranstaltungen des Vereins treten die Musiker mittlerweile in einheitlichen Polo-Shirts des Musikvereins auf.

 

Nicht nur der Dirigentenwechsel von Heribert Leibfried zu Christian Schuppel

im Jahr 2009 brachte einige Veränderungen im Verein. Zum Jubiläumskonzert 2010 erhielten die Musiker neue Krawatten zur bewährten Uniform.

 

Betrachtet man die Zahl der Auftritte heute und vergleicht sie mit den Aktivitäten in den ersten 20 Jahren, so kann man sagen, es werden heute acht Mal mehr Auftritte gespielt als früher und die Anzahl der Musiker hat sich verdreifacht. Im Jubiläumsjahr 2010 musizieren 32 aktive Musikerinnen und Musiker im Musikverein Siglingen.

 

Die Art des Musizierens hat sich ebenso in den letzten 20 Jahren enorm verändert. Viele Stilrichtungen aus der Tanzmusik wurden in die Blasmusik integriert, neue Register wie zum Beispiel Saxophone fanden ihren Platz im Orchester. Diese Vielfalt in den Musikstilen ist eine Herausforderung und Anstrengung für alle aktiven Musiker und es ist schnell vergessen, dass all dies neben der beruflichen Belastung, den privaten Erfordernissen des täglichen Lebens und der Familie geschieht.

 

Wir freuen uns, dass wir sagen können, wir haben uns einen guten Platz im Leben unserer Gemeinden Siglingen und Züttlingen erspielt. Der Musikverein Siglingen hat über die Jahre viele Freunde gewonnen, die sich mit den Musikern an der Musik erfreuen und dies jedes Jahr aufs Neue durch finanzielle und ideelle Unterstützung Noten zeigen.

 

Wir dürfen allesamt mit Freude und Stolz auf die Arbeit der vergangenen Jahrzehnte zurückschauen, die Traditionen zu erhalten und mit Zuversicht in die Zukunft blicken.

 

Für die Zukunft des Vereins gilt der Wunsch, der sich wie ein roter Faden kontinuierlich durch die Bücher der Vereinschronik  zieht - die Tiefs mögen möglichst kurz und die Hochs dafür umso länger werden.

 

 

 

 

 

Roland Emert, Sven Schumacher und Daniel Weiß